Kreuzwege in Oberschwaben
Zunächst seien die 14 Stationen in Kurzform benannt: Station 1: Jesus wird zum Tode verurteilt, Station 2: Jesus nimmt das schwere Kreuz auf sich, Station 3: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz, Station 4: Jesus begegnet seiner Mutter Maria, Station 5: Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz zu tragen, Station 6: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch, Station 7: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz, Station 8: Jesus begegnet den weinenden Frauen, Station 9: Jesus fällt zum dritten Male unter dem Kreuz, Station 10: Jesus wird seiner Kleider beraubt, Station 11: Jesus wird ans Kreuz genagelt, Station 12: Jesus stirbt am Kreuz, Station 13: Jesus wird vom Kreuz abgenommen, Station 14, Jesus wird ins Grab gelegt. Die eher selten abgebildete 15. Station ist eigentlich die Auferstehung. Meistens wird diese durch die Kirche oder Kapelle, die nach der 14. Station steht, dargestellt.

Ach, übrigens: Wenn Sie sich immer schon die 14 Stationen in der Reihenfolge merken wollten, kann folgender Hinweis vielleicht hilfreich sein. Die ungeraden Stationen ab der Station 3 haben unmittelbar mit dem Kreuz zu tun, also Station 3, 7 und 9: Jesus fällt unter dem Kreuz, dazwischen Station 5: Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz zu tragen, schließlich Station 11 und 13: Jesus wird ans Kreuz genagelt und dann vom Kreuz abgenommen.
Die Begegnungen Jesu sind unter "geraden" Stationen zu finden: Station 4: Jesus begegnet seiner Mutter; Station 6: Schweißtuch der Veronika; Station 8: Jesus begegnet den weinenden Frauen.
Die übrgen Stationen wie Verurteilung, Kleiderraub, Tod Jesu und Grablegung muss man sich dann halt merken. Vielleicht hilft's... Aber keine Sorge: Vollkommen ohne jegliche wissenschaftliche Basis kann doch vermutet werden, dass maximal 5 Prozent der Gläubigen die richtige Reihenfolge der 14 bzw. 15 Kreuzwegstationen auf Anhieb wissen.

Ansprechende Meditationen zum Kreuzweg gibt es per Klick auf nachfolgenden Schriftzug: KREUZWEGMEDITATION
Die Meditationen sind dem Gotteslob Nr. 683 entnommen. Dort gibt es eine Kreuzwegandacht mit den Meditationen, mit Bibeltexten und Gebeten.

Kreuzwege gibt es nicht nur in Oberschwaben, vermutlich hier aber die schönsten. So werden auf dieser Seite einige ganz besondere Kreuzwege gezeigt.

Die Reihe beginnt mit dem Kreuzweg zum Gottesberg, der von den Salvatorianern betreut wird und auf dem Gebiet der Kirchengemeinde Bad Wurzach, Dekanat Allgäu-Oberschwaben liegt.
Um die weiteren Kreuzwege rasch zu finden, genügt ein Klick auf nachfolgende Schriftzüge der Ortschaften.

Bad Wurzach, Gottesberg,       Eintürnen, St. Martin,       Wolfegg, Loretokapelle
,       Haisterkirch,       Molpertshaus,       Josephskapelle Schloss Zeil,       Wangen im Allgäu (Friedhof am Gehrenberg),       Pfärrich,        Winterstettenstadt,       Merazhofen,       Niederwangen       Ratzenried       Deuchelried


 Kreuzweg zum Gottesberg in Bad Wurzach, Dekanat Allgäu-Oberschwaben

Der Kreuzweg auf den Gottesberg in Bad Wurzach wurde im Jahre 1899 errichtet. Die Stationsbilder sind aus glasiertem Ton gefertigt. Nach dem Namen des oder der Künstlers/-in wird noch "geforscht".

Gottesberg, Anlage Gottesberg, Anlage Gottesberg, Anlage Gottesberg, Station Gottesberg, Station  Gottesberg, Station Gottesberg, Station 1 Gottesberg, Station Gottesberg, Station 3 Gottesberg, Station 4 Gottesberg, Station 5 Gottesberg, Station 6 Gottesberg, Station Gottesberg, Station 8  Gottesberg, Station 9 Gottesberg, Station 10 Gottesberg, Station 11 Gottesberg, Station 12 Gottesberg, Station 13 Gottesberg, Station 14


 Kreuzweg zur Kirche St. Martin, Eintürnen, Seelsorgeeinheit Bad Warzach, Dekanat Allgäu-Oberschwaben

Dem äußerst lesenswerten Buch "Beseeltes Land" ist Folgendes zum Kreuzweg nach Eintürnenberg zu entnehmen. "In Eintürnen inspirierte eine Pilgerfahrt nach Jerusalem zum Bau eines Kreuzwegs. Pfarrer Merkle war 1873 dort und brachte die Idee - samit Steinen und Jordanwasser. Auch seinen Nachfolger, Friedrich Autustin Schmid, führte eine Pilgerreise ins Heilige Land. Wieder daheim, markierte er mit Erde vom Ölberg die Stellen für die 14 Stationen und so konnte 1892 am Martinsupatrozinium der vollendete Kreuzweg durch einen Kapuzinerpater aus Bregenz eingeweiht werden. Die mächtigen Stationen aus sicherlich im nahen Tag der Wolfegger Ach gebrochenen Tuffsteinblöcken säumen seitdem die damals neu angelegte Straße von Eintürnen hoch nach Eintrünenberg. Ihre Bogennischen enthalten farbig gefasste Tonreliefs im Stile der damaligen Zeit. Die Form des Bildstocks von kantigem Schaft und breiterem Oberteil mit der Passionsdarstellung ist auch in anderen Kreuzwegen unseres Gebiets üblich".
Quelle: Manfred Thierer, Beseeltes Land, hgg. von der Arbeitsgemeinschaft Heimatpflege im württembergischen Allgäu e. V., Kißlegg, 1. Auflage 2021, Seite 53

Eintürnen, Anlage des Kreuzwegs Eintürnen, Anlage des Kreuzwegs Eintürnen, Station Eintürnen, Station Eintürnen, Station 1, Verurteilung Eintürnen, Station 2, Kreuzübernahme Eintürnen, Station 3, erster Sturz Jesu Eintürnen, Station 4, Jesus begegnet seiner Mutter Eintürnen, Station 5, Simon von Zyrene Eintürnen, Station 6, Schweißtuch der Veronika Eintürnen, Station 7, zweiter Sturz Eintürnen, Station 8, Jesus begegnet den weinenden Frauen Eintürnen, Station 9, dritter Sturz Eintürnen, Station 10, Jesus wird der Kleider beraubt Eintürnen, Station 11, Jesus wird an das Kreuz genagelt Eintürnen, Station 12, Jesus stirbt am Kreuz Eintürnen, Station 13,  Jesus wird vom Kreuz abgenommen.Eintürnen, Station 14, Grablegung Jesu


 Wolfegg, Kreuzweg zur Loretokapelle, Seelsorgeeinheit Oberes Achtal, Dekanat Allgäu-Oberschwaben

Der Kreuzweg zur Loretokapelle Wolfegg (liegt auf einem Moränenhügel in Höhe von 692 m) wurden am 8. September 1881 eingeweiht. Die Stationen selbst ähneln sehr denen des Kreuzwegs zur Martinskirche Eintürnenberg. Der Tuffstein wurde vermutlich in Weissenbronnen gebrochen. Die Stationstafeln wurden in der Mayer'schen Hofkunstanstalt München gegossen. Die sehr plastischen Halbreliefs können dem Stil der Nazarener zugerechnet werden.
Übrigens sind in Winterstettenstadt (siehe unten) die fast identischen Stationsbilder zu sehen, allerdings sind diese gefaßt. Zum Vergleich wird die Station 8 aus Winterstettenstadt neben die entsprechende Wolfegger Station gestellt.

Kreuzweg zur Loretokapelle, Anlage Kreuzweg zur Loretokapelle, Station Kreuzweg zur Loretokapelle, Station  Kreuzweg zur Loretokapelle, Station 1, Verurteilung Kreuzweg zur Loretokapelle, Station 2, Kreuzübernahme Kreuzweg zur Loretokapelle, Station 3, erster Fall unter dem Kreuz Kreuzweg zur Loretokapelle, Station 4, Jesus begegnet seiner Mutter Kreuzweg zur Loretokapelle, Station 5, Simon von Zyrene Kreuzweg zur Loretokapelle, Station 6, Schweißtuch der Veronika Kreuzweg zur Loretokapelle, Station 7, zweiter Fall unter dem Kreuz Kreuzweg zur Loretokapelle, Station 8, Jesus begegnet den weinenden Frauen Winterstettenstadt, Station 8 Kreuzweg zur Loretokapelle, Station 9, jesus stürzt zum dritten Mal Kreuzweg zur Loretokapelle, Station 10, Jesus wird seiner Kleider beraubt Kreuzweg zur Loretokapelle, Station 11, Jesus wird ans Kreuz genagelt Kreuzweg zur Loretokapelle, Station 11, Jesus stirbt am Kreuz Kreuzweg zur Loretokapelle, Station 13, Jesus wird vom Kreuz abgenommen Kreuzweg zur Loretokapelle, Station 14, Grablegung Jesu


 Kreuzweg zur Sebastianskapelle Haisterkirch, Seelsorgeeinheit Bad Waldsee, Dekanat Allgäu-Oberschwaben

Der Kreuzweg zur Sebastianskapelle Haisterkirch beginnt quasi mit einem Hinweis an der Kirche. Die erste Station befindet sich allerdings erst nach circa 300 Meter Fußweg durch die Ortschaft. Von dort aus geht es dann bis zur Station 12 stetig bergan (ca. 1,5 Kilometer). Auf dem Platz vor der Sebastianskapelle befinden sich schließlich drei Stationen, unter anderem auch die 15. Station, die Jesu Auferstehung anzeigt. Der Kreuzweg wurde 1939 begonnen und im Frühjahr 1949 "vollendet", wie aus der Pfarrchronik der Kirchengemeinde St. Johannes Baptist durch eine Anmerkung des damaligen Pfarrers Erich Dolderer zu entnehmen ist. 2014 wurden die Stationsbilder von Restaurator Erwin Roth aus Leutkirch-Ausnang bearbeitet. Mit der Bemalung der Stationen selbst wurde die Firma Andreas Hepp in Bad Waldsee beauftragt. Die Kosten in Höhe von circa 7.500 Euro wurden von der Kirchengemeinde, der Ortschaft Haisterkirch und durch die Kapellenstiftung der Landkreises Ravensburg getragen. Eine frühere Renovierung mit Neuanstrich ist aus dem Jahr 1995 überliefert. Damals wurden die Stationen selbst "unter der Regie" von Malermeister Eugen Krattenmacher neu gestrichen. Die Stationsbilder erhielten schon seinerzeit eine Schutzschicht gegen Witterungseinflüsse. Die Kupferlaternen auf den Sockeln der Stationen wurden 2013 von Hermann Kemmler gefertigt und nach der Renovierung der Stationen auf den Sockeln der Kreuzwegstationen angebracht. Die Laternen beleuchten den Kreuzweg und weisen, mit vielen anderen Kerzen, die entlang des Weges aufgestellt werden, beim "Lichterweg" an Silvester den Gang zur Sebastisanskapelle. Der Lichterweg wird, wenn möglich, von der Haisterkircher Gruppe "Ökumene am Ort" verantwortet und gestaltet. Im März 2020 wurde die dritte Station des Kreuzwegs von der linken auf die rechte Seite des Weges zur Sebastianskapelle versetzt. Diese Maßnahme wurde erforderlich, weil an der bisherigen Stelle ein 310 Jahre altes Haus abgerissen wurde und die Station dort nicht mehr bleiben konnte.
In der Pfarrchronik ist nachzulesen, dass die Stationen von Maurermeister Krattenmacher erstellt wurden. Einem Aktenvermerk der Ortschaftsverwaltung Haisterkirch aus dem Jahr 2012 ist zu entnehmen, dass die Stationen vermutlich 1948 gebaut wurden. Max Waibel, Helmut Krattenmacher und Ignaz Döbele werden dabei als Maurer vermerkt. Zuvor soll es noch keinen Kreuzweg gegeben haben. Die Stationen waren ursprünglich mit Biberschwanz-Dachplatten belegt, erst später wurden die jetzigen Dachschrägen den Stationen aufgesetzt. Die etwa 30 Zentimeter breiten und 40 Zentimeter hohen, auf Holz gemalten Stationsbilder stammen von A. Vollmar, wie es der Pfarrchronik von Haisterkirch durch eine Notiz des damaligen Pfarrers Erich Dolderer zu entnehmen ist. Dieser A. Vollmar ist kein Geringerer als Alfred Vollmar, ein durchaus angesehener Künstler, der 1980 in Leutkirch verstorben ist. Vollmar wurde am 27. März 1893 in Nagold geboren. Er starb am 26. September 1980 in Leutkirch. Seine Schulzeit verbrachte er in Ulm. Im Ersten Weltkrieg meldete er sich als Freiwilliger, wurde aber schwer verwundet (Teilamputation des linken Arms und Gehörschaden, der schließlich zur Taubheit führte). An den Akademien in Stuttgart und München studierte er Kunst, wollte als freischaffender Künstler leben, wurde aber im Nationalsozialismus zunehmend isoliert und übergangen. Nach seiner Heirat im Jahre 1942 zog er ins Allgäu, zunächst nach Haubach zwischen Isny und Leutkirch. Nach Kriegsende erhielt er, in dessen Werk immer schon religiöse Themen präsent waren, vermehrt Aufträge für die "Kunst am Bau" in Kirchen und Kapellen. So beauftragte wohl auch Pfarrer Erich Dolderer, der nach seiner Zeit in Haisterkirch, also im Jahre 1956 zum Domkapitular nach Rottenburg berufen wurde, Vollmar für Bemalung der Haisterkircher Kreuzwegstationen.
Vollmar gehörte zu den Gründern der Ulmer Künstlergilde und wird der "verschollenen Generation" der Künstler zugerechnet, die schon vor dem Nationalsozialismus künstlerisch tätig waren, dann aber weitgehend übergangen wurden, und erst nach 1945 wieder künstlerisch tätig werden konnten. Neben dem Haisterkircher Kreuzweg gibt es von ihm Kreuzwegstationen auf dem Dreifaltigkeitsberg bei Spaichingen. Bekannt dürfte auch das Sgraffito der "Königin des Friedens" an der Außenwand der Kapelle des Hauses Regina Pacis oder ein Fresko der Klosterkirche Mariä Himmelfahrt und die Sonnenuhr (Sgraffito und Mosaik) an der Pfarrkirche Schnetzenhausen sein. Zudem hat er in der Arnold-Kapelle in Hiltensweiler das Altarbild gemalt. In der Kirche St. Peter und Paul in Bad Buchau-Kappel sind von ihm Wand- und Deckenbilder zu sehen.
Die Erläuterungen zu Leben und Werk des Künstlers Alfred Vollmar wurden im Wesentlichen dem Wikipedia-Artikel über ihn entnommen. Dort steht auch, dass er "zum Expressionismus oder gar abstrakter Malerei keinen Zugang fand", sondern der "schönen Linie", wie er selbst sein Verständnis von Kunst bezeichnete, treu bleiben wollte. Von Vollmar ist überliefert, dass er seine Werke nur selten signiert hat. Dies gilt auch für den Haisterkircher Kreuzweg, bei dem trotz intensiver Suche keine einzige Signatur zu finden ist.
Bei genauer Betrachtung der einzelnen Stationsbilder kann man vermuten, dass diese nicht "in einem Zug" gemalt wurden, sondern tatsächlich, wie in der Notiz von Pfarrer Erich Dolderer angedeutet, über einen längeren Zeitraum (1939 bis zur Fertigstellung 1949) entstanden sind. So sind die Gesichtszüge Jesu zum Beispiel in den Stationsbildern 4, 9 und 11 deutlich "weicher" wie auf den Bildern anderer Stationen. Dies kann vermutlich nicht nur auf die jeweilige Situation der Stationen zurückgeführt werden. Möglich ist selbstverständlich auch, dass durch verschiedene Restaurierungen, die aufgrund unterschiedlich starker Verwitterung (vgl. z. B. Station 6 Veronika reicht Jesus das Schweißtuch) auch unterschiedlich intensiv ausfallen mussten, Nuancen in der Darstellung erfolgten.
Die Kreuzwegstationen entlang des Fußwegs auf den Dreifaltigkeitsberg sind auf nachfolgender Homepage veröffentlicht. Diese sind im Stil durchaus mit den Haisterkircher Stationsbildern vergleichbar, wenngleich die Spaichinger Stationen erst später, in den Jahren 1951 bis 1954, und damit vielleicht auch etwas mehr der "schönen Linie" entsprechend, entstanden sind. 
Per Klick auf nachfolgenden Schriftzug sind die Kreuzwegstationen zum Dreifaltigkeitsberg zu sehen: Kreuzwegstationen zum Dreifaltigkeitsberg.


  Haisterkirch, Anlage Haisterkirch, Anlage  Haisterkirch, Station Haisterkirch, Station Haisterkirch, Station 1 Haisterkirch, Station 2 Haisterkirch, Station 3 Haisterkirch, Station 4   Haisterkirch, Station 5 Haisterkirch, Station 6 Haisterkirch, Station 7 Haisterkirch, Station 8 Haisterkirch, Station 9 Haisterkirch, Station 10  Haisterkirch, Station 11 Haisterkirch, Station 12 Haisterkirch, Station 13  Haisterkirch, Station 14 Haisterkirch, Station 15


 Kreuzweg zur Lourdeskapelle in Molpertshaus, Seelsorgeeinheit Oberes Achtal, Dekanat Allgäu-Oberschwaben

Die ursprünglich an dieser Stelle abgebildeten Fotos wurden  nun gelöscht. Diese waren total verspiegelt und verzerrt, weil mit dem fotografischen Equipment zunächst wenig anzufangen war. Nun liegen hoffentlich  bessere Fotos zu dem wirklich beeindruckenden Kreuzweg in Molpertshaus vor. Allerdings sind diese, wohl eher nicht gut erkennbar, aber doch auch etwas verzerrt und vor allem farblich eventuell nicht ganz den Originalen entsprechend. Wer also das Original liebt, sollte einfach mal nach Molpertshaus kommen und den 14-teiligen Kreuzweg beschreiten. Nach dem Begehen des Kreuzwegs kann man dann noch abschließend in der Lourdeskapelle etwas zur Ruhe kommen. Der Kreuzweg wurde übrigens im Rahmen des Sanierungsprogramms Flurkreuze, Bildstöcke und Kreuzwege in der Gemeinde Wolfegg in den späten 80er- und 90er-Jahren auf Initiative und mit "ehrenamtlicher Verantwortung" des früheren Bürgermeisters von Wolfegg, Manfred Konnes, organisiert und auch gegen Widerstände durchgesetzt. Der Molpertshauser Kreuzweg war quasi der Schlusspunkt in dieser 10-jährigen Geschichte, die mit einem Gesamtaufwand von 150.000 DM umgesetzt wurde. Allein der Molpertshauser Kreuzweg stand dabei mit ca. 35.500 DM zu Buche. Finanziert wurde das Molpertshauser Projekt durch Spenden in Höhe von circa 5.700 DM, dem Löwenanteil des Landesdenkmalamtes in einer Größenordnung von 13.000 DM, jeweils zu gleichen Teilen mit 6.500 DM durch das Kapellenprogramm des Landratsamtes und den entsprechenden Beitrag der Gemeinde Wolfegg. Schließlich kamen noch 4.000 DM mit der Option auf einen weiteren Zuschuss der Kirchengemeinde Molpertshaus hinzu. Die Planungen für Molpertshaus begannen schon 1991. Die Einweihung war schließlich am 12. Oktober 1997. Ursprünglich erhielt Josef Schugg aus Kimratshofen bei Altusried den Auftrag die Kreuzwegbilder zu malen. Die Bilder aus dem früheren Kreuzweg aus dem jahr 1888 waren entweder nicht mehr auffindbar oder so zerstört, dass sie nicht mehr renoviert werden konnten. Eines, das doch noch gerettet werden konnte, hängt im Pfarrhaus Molpertshaus und wird bei Gelegenheit auch an dieser Stelle gezeigt. Die Realisierung des Kreuzwegs war, wie der Zeitraum von 1991 bis 1997 zeigt, nicht ganz ohne Hindernisse möglich. So konnte auch der beauftragte Kunstmaler Josef Schugg (*1920, + 1994) nur vier Bilder (vermutlich die Bilder der 5., 7., 8. und 12. Station) beisteuern. Er verstarb im Jahre 1994. Danach wurde mit der Faßmalerin Heike Buchmüller aus Bad Waldsee-Reute eine Künstlerin aus der unmittelbaren Nähe von Molpertshaus beauftragt, die noch ausstehenden 10 weiteren Stationen auf nicht rostendem Kupferblech zu malen. Heike Buchmüller nahm dabei geschickt die Vorgabe von Josef Schugg auf. Vielleicht gelingt es bei Gelegenheit, die beiden Künstler exakt den Stationen zuzuordnen, die jeweils von ihrer Hand entstanden. Ganz einfach wird dies nicht sein, wobei der obige Vorschlag mit den Stationen 5, 7, 8 und 12, die Josef Schugg zugeschrieben wurden, ganz bestimmt mindestens drei Treffer aufweist. Beide Künstler des Molpertshauser Kreuzwegs haben sich in ihrem Werk ganz eng an den so genannten "Kleinen Kreuzweg" des bekannten Künstlers Professor Gebhard Fugel (*1863, + 1939) angelehnt. Diesen "Kleine Kreuzweg" malte Fugel unter anderem für die St. Elisabeth-Kirche in Stuttgart im Jahre 1917. Zudem ist dieser Kreuzweg in ganz leichten Nuancen auch in Bad Saulgau in der Kirche St. Antonius und in der Leutkircher Pfarrkirche St. Martin zu sehen. Der Leutkircher Kreuzweg hat aller Wahrscheinlichkeit Josef Schugg, der aus dem nur wenige Kilometer entfernten Kimratshofen stammte, inspiriert. Schugg arbeitete seit 1946 in Leutkirch als Kirchenmaler, bevor er in den 50er-Jahren nach Kimratshofen ging.
Ein noch bedeutender Kreuzweg Fugels, der auch in vielen Kirchen und Kapellen (so auch in der Sebastianskapelle Haisterkirch, wo allerdings 2 Stationen fehlen) als Druck hinter Glas zu sehen ist, ist ein ursprünglich als Kreuzwegfresken geschaffenes Werk in der Münchner St. Josephs-Kirche (schon 1904 bis 1908 erstellt). Von Fugel stammt auch mindestens das große Deckenbild in der Haisterkircher Sebastianskapelle.
Als Beleg für die Behauptung, dass der Leutkircher Kreuzwegs Fugels und damit der so genannte "Kleine Kreuzweg" Vorbild für die 14 Molpertshauser Stationsbilder wurde, werden zum Vergleich einige Fugelsche Kreuzwegstationen, die es noch heute im Postkartenformat antiquarisch zu kaufen gibt, abgebildet.  Die Konturen und Körperhaltungen, die Struktur der Bilder sind eindeutig Fugel nachempfunden. Zum Vergleich sind nachfolgend einige Fugelsche Stationsbilder neben bzw.unter den Molpertshauser Interpretationen abgebildet. Die Bemalung ist allerdings sowohl farblich als auch in Bezug auf den Pinselstrich deutlich variiert, fast schon expressionistisch. So gesehen ist es, fast wie in Fortführung der Modifikationen von Schugg und Buchmüller, nicht ganz absurd, diese jetzt durch eine zurückhaltende bildprogrammtechnische Farbinstensivierung vorzustellen. Also nochmals die Anregung. Schauen Sie sich den Kreuzweg einfach mal im Original an, gerne auch betend und meditierend.
Abschließend darf an dieser Stelle doch noch die herausragende Beteiligung der Molpertshauser Dorfgemeinschaft hervorgehoben werden. Diese hat nicht nur den eigentlichen Kreuz-Weg(!), also den mit Kies befestgigten Weg in Eigenleistung bewerkstelligt, sondern pflegt diesen und die Kreuzwegstationen nach wie vor in beeindruckender Weise. So waren es auch mit den mittlerweile verstorbenen Gabriel Erb (* 1949, + 2021) und Adolf Stotz (*1935, + 2016) zwei Molpertshauser, die die 10. Station (Jesus wird seiner Kleider beraubt) wieder fachgerecht nach dem Blitzeinschlag im Sommer 1998 herstellten. Der Bildstock war fast völlig zerstört. Mittlerweile wurden die Bilder auch durch eine feste Verglasung vor allzu rascher Verwitterung geschützt. Mehrmals wurde auch schon der Weg ausgebessert und die Sträucher zurückgeschnitten. Die Dorfgemeinschaft Molpertshaus sieht dies als eine ihrer Aufgaben im "Portfolio" an. Vergelt's Gott dafür!
Text und Fotos: Günter Brutscher (Berichtungen, Ergänzungen, Anmerkungen gerne an gbrutscher@gmail.com)

 Molpertshaus, Anlage Kreuzweg Molpertshaus, Bildstock 
Molpertshaus, Station 1 Gebhard Fugel, Kleiner Kreuzweg, Station 1 Molpertshaus, Station 2 Molpertshaus, Station 3 Molpertshaus, Station 4 Gebhard Fugel, Kleiner Kreuzweg, Station 4 Molpertshaus, Station 5 Molpertshaus, Station 6 Molpertshaus, Station 7 Molpertshaus, Station 8 Gebhard Fugel, Kleiner Kreuzweg, Station 8 Molpertshaus, Station 9 Molpertshaus, Station 10 Molpertshaus, Station 11 Gebhard Fugel, Kleiner Kreuzweg, Station 11 Molpertshaus, Station 12 Molpertshaus, Station 13 Molpertshaus, Station 14
    

  Kreuzweg zur Josefskapelle im Wald beim Schloss Zeil, Seelsorgeeinheit Leutkirch, Dekanat Allgäu-Oberschwaben

Der Kreuzweg zur 1858 errichteten Josephskapelle im Wald beim Schloss Zeil wurde 1960 mit Tonreliefs von Baronin Anna von Wambold gestaltet.
Die Josephskapelle selbst wurde 1858 erbaut.

Kreuzweg zur Josefskapelle, Anlage Kreuzweg zur Josefskapelle, Stationenbildstock  Kreuzweg zur Josefskapelle, Stationenbildstock Kreuzweg zur Josefskapelle, Stationenbildstock Kreuzweg zur Josefskapelle, Station 1 Kreuzweg zur Josefskapelle, Station 2 Kreuzweg zur Josefskapelle, Station 3 Kreuzweg zur Josefskapelle, Station 4 Kreuzweg zur Josefskapelle, Station 5 Kreuzweg zur Josefskapelle, Station 6 Kreuzweg zur Josefskapelle, Station 7 Kreuzweg zur Josefskapelle, Station 8 Kreuzweg zur Josefskapelle, Station 9 Kreuzweg zur Josefskapelle, Station 10 Kreuzweg zur Josefskapelle, Station 11 Kreuzweg zur Josefskapelle, Station 12 Kreuzweg zur Josefskapelle, Station 13 Kreuzweg zur Josefskapelle, Station 14 Kreuzweg zur Josephskapelle, JosephskapelleKreuzweg zur Josefskapelle, Josephsfigur in der Kapelle


 Kreuzweg Wangen im Allgäu (Friedhof St. Wolfgang), Seelsorgeeinheit An der Argen, Dekanat Allgäu-Oberschwaben

Der Wangener Kreuzweg wurde von Josef Braun (*1903, + 1965) gemalt. Die Zeitspanne der Entstehung ist von 1931 bis 1957. Zur Zeit des Nationalsozialismus galten die Bilder von Josef Braun als entartet. Deshalb konnte er den begonnenen Kreuzweg erst nach dem Krieg fortsetzen bzw. musste zerstörte oder beschädigte Bilder neu bearbeiten. Dies gilt etwa für die Station 10, Jesus wird seiner Kleider beraubt. Die Station ist in einer originalen Schwarz-Weiß-Fotograie aus dem Jahr 1932 (oder 1931) und in der aktuellen Fassung abgebildet. Die Nachbearbeitung der Station nach dem Krieg zeigt die beiden Männer (links) in Uniformen. Es ist anzunehmen, dass mit dieser "Interpretation" Josef Braun seine Erfahrungen aus der Zeit des Nationalsozialismus ansatzweise verarbeitete. Auf dem Schwarz-Weiß-Foto ist naturgemäß die Farbe des Anzugs des Peinigers ganz links nicht eindeutig zu identifizieren. Die Nachbearbeitung deutet allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit mit der Farbe braun eine SA-Uniform an.
Bei genauer Betrachtung ist in der Kunst Josef Brauns vor und nach dem II. Weltkrieg insgesamt eine Entwicklung zu erkennen. Als Ansatzpunkt können die Station 1 (Jesus bei Pilatus), die er bereits 1931 gemalt hat und eben die Station 10 (Jesus wird seiner Kleider beraubt), die erst deutlich nach dem Krieg überarbeitet wurde, angesehen werden. Die meisten seiner Kreuzwegbilder hat der Wangener, ein Neffe August Brauns (*1876, + 1956), signiert. Ein Besuch auf dem St. Wolfgang-Friedhof in Wangen im Allgäu (am Gehrenberg, Friedhofstraße) lohnt sich allemal. Zum einen ist ein Friedhof stets auch ein Ort zum Innehalten, zum anderen sind nicht nur die Kreuzwegstationen, sondern auch die oft schon sehr alten Gräber und deren Gedenksteine sowie die Wolfgangskapelle lohnende Ziele, um zu verweilen, der Verstorbenen zu gedenken und für diese und die Welt zu beten. Zudem sind neben den Kreuzwegstationen noch andere Bilder von Josef Braun zu finden. Allerdings fehlen die Stationen 5 (Simon von Zyrene), 6 (Veronika reicht Jesus das Schweißtuch), 12 (Jesus stirbt am Kreuz), 13 (Jesus wird vom Kreuz abgenommen) und 14 (Jesus wird ins Grab gelegt). Nach Auskunft des Ortsheimatpflegers von Wangen, Stephan Wiltsche, ist anzunehmen, dass wenigstens ein Teil dieser Stationen entweder nicht fertig gestellt wurden oder, nachdem diese im Nationalsozialismus als entartet galten, gar entfernt wurden. So etwa die Station 12 (Jesus stirbt am Kreuz), die an der Wand der St. Wolfgang-Kapelle zu sehen war.
An dieser Stelle muss noch angemerkt werden, dass die nachfolgende fotografische Dokumentation eine außergewöhnliche Rarität ist. Dies ist einerseits Stephan Wiltsche, Dekanatsreferent und Ortsheimatpfleger der Stadt Wangen, zu verdanken. Ihm wiederum wurden die Schwarz-Weiß-Fotografien, die so bis dato (Mai 2021) noch nirgends veröffentlicht wurden, aus dem Nachlass von Pfarrer Wolfgang Figel (* 1926, + 2018), übergeben. Pfarrer Figel ist in Wangen Wangen aufgewachsen. Woher er selbst die Bilder erhalten hat, auf denen alle der Hinweis "kein Negativ" notiert ist, ist nicht bekannt.
Besondere Aufmerksamkeit gilt in der Reihe der Schwarz-Weiß-Fotografien der Kreuzigungsgruppe. Die Personen, Jesus von Nazareth und die Schächer (der Überlieferung nach namens Dysmas und Gestas) wurden auf Kupferplatten aufgemalt und an den Kreuzen befestigt. Im Nationalsozialismus galt die Kunst Josef Brauns als "entartet". Das hat für die Station 12, die Kreuzigungsgruppe, die zugleich also die Station Jesu stirbt am Kreuz , bedeutet, dass die Bilder  verstümmelt und abgebaut wurden. Die Stationen 13 und 14, die sich im Narthex, dem Vorbau der Wolfgangskapelle, als Fresko gemalt, befanden, gibt es ebenfalls nicht mehr. Nun fehlt vom Braun'schen Kreuzweg auf dem Friedhof St. Wolfgang in Wangen im Allgäu nur noch die Station 5 "Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz zu tragen" und die Station 6, also "Veronika reicht Jesus das Schweißtuch". Vielleicht tauchen auch diese noch auf. Vielleicht aber gibt es auch noch Hinweise darauf, wann und in welchem Zusammenhang, vielleicht sogar von wem, die fehlenden Stationen zerstört wurden.
Jedenfalls gilt sowohl Pfarrer Wolfgang Figel posthum und aktuell Stephan Wiltsche ein großes Vergelt's Gott für die Schwarz-Weiß-Fotografien mit den Hinweisen, die exemparisch nachfolgend aufgezeigt werden.
Foto mit Hinweisen zum Aufnahmedatum und "Schicksal der Station" Ansicht Kreuzweg Wangen Kreuzwegstation Wangen Gehäuse für die Stationen 13 und 14, nicht mehr vorhanden Wolfgangskapelle Wangen  Kreuzweg Wangen, Josef Braun, Station 1  Kreuzweg Wangen, Josef Braun, Station 2 Kreuzweg Wangen, Josef Braun, Station 3 Kreuzweg Wangen, Josef Braun, Station 4 Kreuzweg Wangen, Josef Braun, Station 7 Kreuzweg Wangen, Josef Braun, Station 8  Kreuzweg Wangen, Josef Braun, Station 9 Station10 Original 1932 Kreuzweg Wangen, Josef Braun, Station 10 Kreuzweg Wangen, Josef Braun, Station 11  Station12 Tod Jesu am Kreuz, Station nicht mehr vorhanden Station 13 Abnahme vom Kreuz, 1932, nicht mehr vorhanden Station 14 Jesus wird ins Grab gelegt, nicht mehr vorhanden Station 14 Jesus wird ins Grab gelegt, Detail
  Josef Braun, Signatur 1931 Josef Braun, Signatur 1957


  Kreuzweg Pfärrich, Seelsorgeeinheit An der Argen, Dekanat Allgäu-Oberschwaben

Der Kreuzweg an der übrigens sehr steilen Straße von der Bundesstraße 32 nach Pfärrich und zur Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Geburt ist ein besonderer in der Reihe unserer Kreuzwege. Die sieben Stationen zeigen die 7 Schmerzen Mariens, die in der Volksfrömmigkeit immer wieder von Bedeutung sind. Der Gedenktag der Sieben Schmerzen Mariens ist der 15. September, ein Tag nach dem Fest Kreuzerhöhung. Das Fest wurde von Pius VII im Jahre 1814 für die Gesamtkirche eingeführt. Zuvor wurde dieses allerdings schon seit 1667 vom Servitenorden gefeiert. Auf den Kreuzwegstationen sind die sieben Schmerzen, die die Mater Dolorosa, die Schmerzensmutter, erleiden musste, schriftlich formuliert. Die Mater Dolorosa wurde in der christlichen Kunst ein Typus der Mariendarstellung, neben der Maria-Hilf-Darstellung, der Mondsichelmadonna, der Schutzmantelmadonna, der Pietà, der Lourdes-Madonna, der Schwarzen Madonna oder auch der Maria Knotenlöserin. Eine in unserer Region bedeutende Darstellung der sieben Schmerzen Mariens findet sich im Chorraum der Osterhofener Kapelle Mariä Opferung, die derzeit (Mai 2021) leider nicht besichtigt werden kann, weil offensichtlich die Gefahr besteht, dass Teile der Decke im Schiff herabstürzen könnten.
Die Bildstöcke, die zur Pfärricher Wallfahrtskirche führen, sind aus Holz (sowohl die Stelen, als auch die Halbreliefs selbst). Leider ist aktuell eine Verglasung schadhaft und wurde bis auf Weiteres nur provisorisch repariert.
Zu den sieben Schmerzen Mariens gibt es ein Gedicht, das unter dem Titel "Stabat mater", in adaptierter Übersetzung als "Christi Mutter stand mit Schmerzen" bekannt ist. Das Stabat Mater in der deutschen Übersetzung von Heinrich Bone aus dem Jahr 1847 ist im Gotteslob unter der Nummer 885 zu finden.
Neben den 7 Schmerzen Mariens gibt es auch die 7 Freuden Mariens. Diese sind (in Kurzfassung): Verkündigung, Heimsuchung, Geburt Jesu, Anbetung der Weisen, Wiederauffinden des 12-jährigen Jesus im Tempel, Auferstehung Jesu, liebliche Aufnahme Mariens in den Himmel.
Den Pfärricher Kreuzweg mit den sieben Stationen der Schmerzen Mariens gibt es seit dem Herbst 1948. Wie aus einem Artikel der Schwäbischen Zeitung zu entnehmen ist, hat Franz Rundel zusammen mit dem Pfärricher Oberlehrer Hermann Götz die Idee entwickelt, den Weg zur Pfärricher Wallfahrtskirche die Pilger auf deren Weg zur Kirche mit Bildstöcken an die sieben Schmerzen Mariens zu erinnern. Die Einweihung des Pfärricher Kreuzwegs erfolgte zum Fest zu den sieben Schmerzen Mariens am 15. September. Bei der Einweihung wurde daran erinnert, dass die sieben Stationen zu Ehren der Schmerzenskönigin aus Dankbarkeit darüber, dass die Pfarrei Pfärrich von jeglicher Zerstörungnach dem II. Weltkrieg verschont geblieben ist. Die Pfärricher erlebten am Sonntag, 29. April 1945, wie französsiche Panzertruppen fast ganz Geiselharz, das nur wenige Kilometer von Pfärrich entfernt liegt, niederbrannten. Franz Rundel, so berichtete sein mittlerweile hochbetagter Sohn Bernhard, der jahrzehntelang die Stationen pflegte und zugleich als Kirchenpfleger für Pfärrich tätig war, hat die Einweihung des Kreuzwegs leider nicht mehr erlebt. Der Zeitungsbericht beruft sich auf das Buch "Pfärrich - Geschichte einer Wallfahrtskirche", das 1991 vom Arbeitskreis für Amtzeller Geschichte herausgegeben wurde und im Wesentlichen auf Recherchen von Walther Schmid, dem ehemaligen Amtzeller Bürgermeister beruht.
Quelle: Schwäbische Zeitung, Ausgabe Wangen, 18. April 2019, Seite 19
Stationenweg Pfärrich Stationenweg Pfärrich Stationenweg Pfärrich Stationenweg Pfärrich, 1. Station Stationenweg Pfärrich, 1. Station Stationenweg Pfärrich, 2. Station Stationenweg Pfärrich, 2. Station Stationenweg Pfärrich, 3. Station Stationenweg Pfärrich, 3. Station Stationenweg Pfärrich, 4. Station Stationenweg Pfärrich, 4. Station Stationenweg Pfärrich, 5. Station Stationenweg Pfärrich, 5. Station Stationenweg Pfärrich, 6. Station Stationenweg Pfärrich, 6. Station Stationenweg Pfärrich, 7. Station Stationenweg Pfärrich, 7. Station

  Winterstettenstadt, Kirchengemeinde St. Georg, Seelsorgeeinheit Riß-Federbachtal, Dekanat Biberach

Der Kreuzweg in Winterstettenstadt reicht von der Ölbergkapelle in der Ortschaft bis zur Kapelle 14 Nothelfer. Noch vor der Ölbergkapelle befindet sich ein Kreuz auf einem außergewöhnlich großen Findling, der wohl noch aus der würmeiszeitlichen Vergletscherung (vor ca. 12.000 Jahren) stammt, die in dem heutigen Winterstettenstadt in einer Endmoräne "auslief".
Die Kreuzwegstationen sind ca. 2 Meter hoch. Die Kreuzwegbilder sind ca. 34 Zentimeter breit und 44 Zentimeter hoch. Die Säulen sind nicht sehr breit ausgebildet. Die Station 12 (Tod Jesu am Kreuz) lag zum Zeitpunkt der Aufnahmen (Juni 2021) am Boden. Es war am Montag, 17. Mai 2021, als eine Windböe am Kreuzweg eine Esche entwurzelte. Deren Stamm fiel so, dass dieser die 12. Station streifte und aus der Verankerung riss. Das Blechdach und das Kreuz auf der Staion wurden dabei beschädigt. Das Bild blieb unversehrt.
Die heutigen Stationen des Kreuzwegs wurden im Jahre 1979 durch die mit Eisen bewehrten, aus Beton gefertigten Bildstöcke ersetzt. Diese wurden von der Firma BEWO in Unteressendorf hergestellt. Die Stationsbilder selbst wurden übernommen. Sie wurden im Jahre 1881 von der Mayer'schen königlichen Hof-Kunstanstalt in München zum Preise je Station in Höhe von 100 Mark hergestellt. Die Stationen in Winterstettenstadt sind mit denen zur Loretokapelle in Wolfegg identisch, allerdings waren, nach der Quittung über die Bezahlung der Stationsbilder vom 27. September 1881 gefaßt. In der Chronik von Winterstettenstadt wurden Hinweise gefunden, dass schon 1709 ein Kreuzweg erstellt wurde, eine andere Quelle nennt gar die Jahreszahl 1701, als 12 Gulden "für die Däfelein an die Bildstöck zu mohlen und umb farben" berechnet wurden. Historischer Ausgangspunkt des Kreuzwegs war wohl ein Bildstock, der an der Stelle der heutigen Kapelle 14 Notlhelfer von einem Bauern aus Dankbarkeit über seine gelungene Flucht vor den Reisigen des Bauernjörgs errichtet wurde. Wohl Ende des 16. Jahrhunderts wurde dort die erste Kapelle, genannt die "rothe Kapelle" errichtet, wobei schon damals auf die Giebelwand die 14. Nothelfer gemalt wurden. Die erste Prozession zu dem damals Rochuskapelle genannten Heiligtum wird im Pestjahr 1628 erwähnt. Die heutige Kapelle wurde nach Abriss der alten Kapelle im Jahre 1880 erbaut. Das Altarbild zeigt dabei ganz unten den bis dahin bestehenden Kreuzweg. Dieser war allerdings schon so beschädigt, das die Stationen mit Ziegelsteinen neu gemauert wurden. Die alten, auf Blech gemalten, Stationsbilder waren offensichtlich auch nicht mehr zu retten, sodass diese durch die oben erwähnten Bilder aus Zinkguss ersetzt wurden. Gespendet wurden die Tafeln von Simbert Schwarz vom Stadelhof. Leider überstanden auch die aus Ziegelsteinen gemauerten Stationen keine 100 Jahre. Sie mussten, weil durch Schwamm marode geworden und nur unter erheblichem Aufwand überhaupt reparabel geworden, durch neue Stationen im Jahre 1979 ersetzt werden (siehe oben). Somit ist der aktuelle Kreuzweg jetzt der dritte mit der zweiten Stationsbilder-Generation, der von der Ölberkapelle zur Kapelle 14 Nothelfer gebaut wurde. Die Stationsbilder selbst wurden erst 2016 renoviert, wobei sich Rudolf Domnowski in besonderer Weise hervorgetan hat. In wohl über 400 Stunden hat er die Stationen gereichnigt, die Stationsbilder repariert und vor allem originalgetrau mit einem vierfachen Ölfarbenauftrag instand gesetzt. Dafür wurde ihm 2017 auch der Stiftungspreis der Stiftung Wegzeichen (www.stiftung-wegzeichen.de) verliehen. Außer dem Kreuzweg von der Ölbergkapelle zur Kapelle 14 Nothelfer laden auch beide Kapellen selbst zum Verweilen ein. Die Figuren der Ölbergkapelle wurden von der Werkstatt Metz in Gebrazhofen gefertigt. Sehenswert sind auch die Bildtafeln zu den sieben Werken der Barmherzigkeit, die Friedrich Zinser im Jahre 1995 gemalt hat. Auf den Tafeln ist jeweils mit ein oder mehrere Gebäude von Winterstettenstadt zu sehen, wordurch immer auch ein aktueller Bezug hergestellt wurde. So zum Beispiel durch das Schulhaus auf dem Bild "Hungrige speisen", das an die Schulspeisung nach dem II. Weltkrieg erinnern soll.
Anmerkung: Die Informationen habe ich im Wesentlichen von Frau Karin Schöntag erhalten. Hierfür gilt ihr und den Aktiven der Winterstettenstädtischen "Szene" ein herzliches Vergelt's Gott!                       

Ölbergkapelle Anlage Anlage Anlage Anlage Anlage Anlage Kapelle 14 Nothelfer
Station 1 Station 2 Station 3 Station 4 Station 5 Station 6 Station 7 Station 8 Station 9 Station 10 Station 11 Station 12 Station 13 Station 14 Wolfegg zur Loretokapelle, Station 14

 Merazhofen, Kirchengemeinde St. Gordian und Epimachus, Seelsorgeeinheit St. Gallus, Allgäu, Dekanat Allgäu-Oberschwaben

Der Merazhofer Kreuzweg ist wohl der jüngste im Dekanat Allgäu-Oberschwaben. Dieser wurde, nach längerer Anlaufzeit und einer zurückgezogenen Spende für den Bau der Kreuzwegstationen, im Jahre 2018 eingeweiht. Der Kreuzweg zeigt Stationsbilder, die als "Ausschnitt-Kopie" des geradezu klassischen Kreuzwegs von Joseph von Fürich (1800-1876) zu bezeichnen sind. Die mit Sicherheitsglas geschützten Kreuzwegstationen werden somit dem im 19. Jahrhundert in der sakralen Kunst weit verbreiteten Kunststil der Nazarener zugerechnet, die auf sehr gegenständliche Kunst Wert gelegt haben. Führich, der "Theologe mit dem Stifte", wie er oftmals genannt wird, hat seinen Kreuzweg ursprünglich für die Kirche am St. Lorenzberg in Prag (vor 1836), die Johannes-Nepomuk-Kirche in Wien (als großformatige Fresken 1844-46) und die Altlerchenfelder Pfarrkiche in Wien-Neubau (1854-61) gemalt. Sein Kreuzweg gilt als der meist kopierte überhaupt. Wer die Bilder des Merazhofer Kreuzwegs auf die Eiche-Holztafeln gemalt hat, ist allerdings nicht bekannt. Der Merazhofer Kreuzweg wurde vornehmlich vom Pfarrer-Augustinus-Hieber-Verein gewünscht und erhofft. Ursprünglich hätte dieser schon 2010, also zum hundersten Priesterjubiläums des "Allgäuer Segenspfarrer", wie der 1968 verstorbene Augustinus Hieber vielfach genannt wird, eingeweiht werden sollen. Mittlerweile freuen sich nicht nur die Merazhofer darüber, dass im Jahr 2020 der Platz um die Kreuzwegstationen vornehmlich von Ehrenamtlichen gepflastert wurde, sondern auch eine bienenfreundliche Blumenwiese vom Sport- und Naturverein Merazhofen entlang des Weges angelegt wurde. Die mit Biberschwanzziegeln bedeckten Kreuzwegstation, die Herz-Jesu-Statue, vielleicht auch der nahegelegene Heilige Stein im Wald und das bei entsprechender Wetterlage herrliche Alpenpanorma lohnen jedenfalls einen Besuch des Kreuzwegs, der gerne auch betend und meditierend gegangen werden kann. Dann bleibt mesitens auch noch Zeit, das Grab des Segenspfarrers zu besichtigen. Dies, so sei am Rande bemerkt, nimmt sich auch der Schreiber dieser Zeilen zu Herzen. War es doch Pfarrer Hieber, der vor etwa 60 Jahren meiner Mutter in einer sehr besorgten Situation großen Zuspruch erteilte. Mit damals vier kleinen Kindern wollte sie mit meinem Vater eine kleine Existenz in Leutkirch aufbauen. Ein nur unzureichend heilender Fußbruch und ein gebrochenes Versprechen bezüglich einer finanziellen Anschubfinanzierung wurden zu einem existenbedrohlichen Szenario. Pfarrer Hieber segnete meine Mutter, sagte ihr zu, dass ihre Kinder alle gesund heranwachsen würden und dass einer der später sechs Kinder etwas ganz Besonderes werden sollte. Diese Zusage haben wir alle für uns in Anspruch genommen. So sei dem Pfarrer Hieber an dieser Stelle ein posthumes "Vergelt's Gott" zugesprochen. Ein gutes Wort kann das Leben gelingen lassen...
P. S. Die nachfolgenden Fotos sind nicht von allerhöchster Qualität. Das Sicherheitsglas macht das Fotografieren nicht gerade einfach. Bisher gelang es mir nur durch abgewinkeltes Aufsetzen des Smartphones auf das Glas einigermaßen ordentliche Fotos zu machen. Die Bildbearbeitung fiel im Nachgang dann auch noch etwas überschwänglich intensiv aus. Dennoch, einen Eindruck vom Kreuzweg vermitteln die Bilder allemal.

Anlage Anlage Anlage Anlage Anlage Anlage 1. Station 2. Station  3. Station 4. Station 5. Station 6. Station 7. Station 8. Station 9. Station 10. Station 11. Station  12. Station 13. Station 14. Station

  Niederwangen, Kirchengemeinde St. Andreas, Seelsorgeeinheit Wangen im Allgäu, Dekanat Allgäu-Oberschwaben

Gleich vorweg: Die beeindruckenden Kreuzwegstationen in Niederwangen und die den Kreuzweg abschließende Kalvarienberg-Kapelle gehören nicht der Kirchengemeinde Niederwangen. Sie sind im Privatbesitz der Familie Klotz und
werden von Andreas Klotz und seiner Ehefrau betreut. Dieses Engagement ist beachtlich, bedeutet der Besitz doch in erster Linie Verantwortung und Engagement. So stehen neben der alltäglichen Pflege, dem Öffnen der Kapelle am Samstag und Sonntag bei gutem Wetter und manch anderen Aufgaben auch enorme Kosten zu Buche. Glücklicherweise wird die Familie Klotz durch Ehrenamtliche des Niederwangener Heimatvereins oder aus der Bevölkerung durch Mitarbeit, Zuschüsse und Spenden unterstützt. So sind offensichtlich bei der letzten Sanierung der Kreuzwegstationen in den Jahren 2015 bis 2017 allein 20.000 Euro Spenden zur Finanzierung der ca. 70.000 Euro teuren Maßnahme geflossen. Außer den Spenden haben sich der Heimatverein, das Landesdenkmalamt, der Landkreis Ravensburg, die Stadt Wangen im Allgäu, die katholische Kirchengemeinde St. Andreas, die Kreissparkasse und die diözesane Stiftung Wegzeichen an den Kosten beteiligt. Ursprünglich wurden die Kreuzwegstationen im Jahr 1919 erstellt. Es waren die Eheleute Genovefa und Josef Feßler, die seinerzeit den Kreuzweg versprachen, sollte ihr Sohn Alois aus dem Krieg zurückkehren. Alois erlag allerdings im Oktober 1918 seinen Verletzungen, die er sich auf dem Weg von Italien an die Westfront zugezogen hatte. Der Kreuzweg wurde aber dennoch von der Mutter und den Geschwistern von Alois verwirklicht. Wie dieser dann allerdings in den Besitz der Familie Klotz übergegangen ist, muss erst noch genauer recherchiert werden.
Einige Kreuzwegstationen wurden schon Anfang des 21. Jahrhunderts saniert. Dennoch war eine weitere, nun allerdings auch umfassende Sanierung und Sicherung der Stationen mit dem erheblichen Kostenaufwand (siehe oben) vor einigen Jahren erforderlich. Zudem mussten die Stationen den Anforderungen des Denkmalamts und des Sanierungsbeauftragten der Stadt gerecht werden. Im April 2017 konnte dann die Einweihung durch den leitenden Pfarrer der Seelsorgeeinheit Wangen, Dr. Claus Blessing, erfolgen. Zur Segnung der Kreuzwegstationen wurde auch die Herz-Jesu-Figur der Familie Hubert Beck am Fuße des Kreuzwegs wieder aufgestellt.
Bisher liegen dem Schreiber dieser Zeilen noch keine Erkenntnisse darüber vor, wer der Künstler oder die Künstlerin ist, der oder die die Kreuzwegreliefs gestaltet hat.
Die nachfolgenden Fotos sind nicht gerade von bester Qualität. Einerseits hat es am Tag der Aufnahme geregnet, andererseits sind, wie auch bei anderen Kreuzwegen die Verglasungen für den Hobbyfotografen stets eine große Herausforderung. Bei ganz genauer Betrachtung ist auf der einen oder anderen Station der Versuch, dass wenigstens der Fotograf aus der Station "herausfällt" leider nicht so ganz gelungen... Ach, und noch eine Bemerkung: Vielleicht ist es von irgendjemandes Interesse: Die Bilder sind mit einem Apple iPhone 11 Pro Max aufgenommen.
Die obigen Ausführungen sind im Wesentlichen zwei Zeitungsartikeln von Susi Weber aus der Schwäbischen Zeitung, Ausgabe Wangen im Allgäu, aus den Jahren 2015 und 2017 entnommen.

Anlage Anlage Anlage Anlage Herz-Jesu-Statue Anlage
  1. Station 2. Station 3. Station 
4. Station 5. Station 6. Station 7. Station 8. Station 9. Station 10. Station 11. Station 12. Station 13. Station 14. Station
Detail, Station 4  Detail, Station 13
Detail, Station 11 

 Ratzenried, Friedhof, Seelsorgeeinheit Argenbühl, Dekanat Allgäu-Oberschwaben

Über den Kreuzweg auf dem Friedhof von Ratzenried schreibt Ursula Rückgauer, die Kreisbeauftragte für Denkmalpflege beim Landratsamt Ravensburg:
Der Friedhof in Ratzenried befand sich ursprünglich wie in den meisten Gemeinden innerhalb des Ortes rund um die Kirche. Doch Ende des 19. Jh. wurde er wie vielerorts aufgrund der beengten Platzverhältnisse und zur Verbesserung der Hygiene weit außerhalb nördlich des Dorfes als ummauertes Viereck angelegt. Am 2. Dezember 1894 fand die Weihe dieses neuen Gottesackers statt. 1904 erhielt der Friedhof seine charakteristische Fernwirkung durch den Bau der Gruftkapelle an die nördliche Umfassungsmauer. Der damals sehr bekannte Stuttgarter Kirchenarchitekt Joseph Cades fertigte den Entwurf der Kapelle für die Grafen von Beroldingen. In Sichtweite des gräflichen Schlosses wurde für die Patronatsherren von Ratzenried eine Grablege in neuromanischen Stil erbaut: Es handelt sich dabei um einen hoch aufragenden Zentralbau mit kreuzförmigen Grundriss und eingezogener halbrunder Apsis, dessen gedrungener achteckiger Vierungsturm schon von weitem sichtbar ist.

Eine besondere Rarität bekam der Friedhof dann sechs Jahre später: Am 25. September 1910 wurde in Ratzenried ein Kreuzweg eingeweiht, der in unserer Region vermutlich einzigartig ist. Eine Münchner Firma fertigte ihn nach dem Entwurf des Münchner Künstlers und Architekten Hans Müller, der ihn auch nach der Herstellung künstlerisch überarbeitete. Dabei handelt es sich um 14 Stationsmonumente aus Kunststein, die gleichzeitig als Grabdenkmale dienen. Diese ungewöhnliche Doppelfunktion war von Anfang an geplant und war Teil der künstlerischen Konzeption des Prozessionswegs.
Die Doppelfunktion wurde von Seiten der Gemeinde in Abstimmung mit der Denkmalpflege dahingehend aufgehoben, dass eine Wiederverwendung bei Neubelegung der Gräber zum Schutz der denkmalgeschützten Stehlen nicht mehr erfolgen soll. Zuviel wurde in der Vergangenheit durch das Anbringen der Schrift den Steinen verändert und eingegriffen.

In den Kunststein der Kreuzwegstelen sind im oberen Viertel an der Stirnseite Reliefdarstellungen des Leidensweg Christi eingearbeitet, die fast die ganze Breite einnehmen. Die Reliefs waren ursprünglich an einzelnen Teilen vergoldet. Der Hintergrund wurde mit einem blauen Glasmosaik belegt, was die Reliefs sehr wirkungsvoll hervorhob. Das Glasmosaik konnte sich bis heute mit kleineren Schäden erhalten, wohingegen die Vergoldungen leider komplett verschwunden sind. Unter den Reliefdarstellungen wurden die Bezeichnungen der einzelnen Stationen eingemeißelt. Die Schriftzeichen waren in einem braunroten Farbton gefasst. Die untere Hälfte der Kunststeinstelen ist den Grabinschriften vorbehalten, im Sockel sind Weihwasserschälchen eingearbeitet. Nimibierte Metallkreuze bekrönen die Stelen als zusätzlichen Akzent.

Die Stelen wurden rechts und links von der gräflichen Gruftkapelle, an den Seitenwegen des Friedhofs entlang der Umfassungsmauer aufgestellt, so dass sich eine Grabreihe zwischen der Mauer und den Kreuzwegstationen befindet. In dieser Grabreihe befinden sich auch die den Kreuzwegstelen zugeordneten Gräber. Mit dieser symmetrischen Anordnung beziehen sich die Kreuzwegstationen unmittelbar auf das romanische Bauwerk und gliedern den Friedhof auf harmonische Weise.

Der Argenbote berichtet am 29.10.1910 in seinem Bericht anlässlich der Einweihung des Kreuzweges: „Der Kreuzweg mit seinem originellen Doppelzweck ist einer Besichtigung wert. Die Stationsgräber sind zu einem größeren Teil bereits vergeben. Obwohl die Denkmalliste für den Landkreis Ravensburg bereits Ende der 1970er Jahre erstellt wurde, wurde der Bedeutung der herausragenden Kreuzwegstationen erst im Jahre 2003 durch die Denkmalpflege Rechnung getragen. Damals wurde nicht nur seine Denkmaleigenschaft festgestellt, sondern der Friedhof insgesamt mit seiner architektonisch reizvollen Gruftkapelle und den Kreuzwegstationen mit ihrer Doppelfunktion als Sachgesamtheit aus wissenschaftlichen, künstlerischen und heimatgeschichtlichen Gründen unter Denkmalschutz gestellt, an deren Erhaltung insbesondere wegen seines dokumentarischen und exemplarischen Wertes ein öffentliches Interesse besteht.

Quelle: https://www.ratzenried.de/index.php/friedhof.html


Gruftkapelle Anlage
Anlage
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 Kreuzweg Deuchelried, Kirchengemeinde St. Petrus, Seelsorgeeinheit Wangen, Dekanat Allgäu-Oberschwaben

Stephan Wiltsche schreibt zur Lourdesgrotte und dem Kreuzweg in Deuchelried Folgendes: "Am 8. August 1897 wurde von der damaligen Adlerwirtin Kreszentia Bodenmiller die Lourdesgrotte gestiftet. Diese befindet sich am sogenannten "Grottenbuckel", also am Aufgang des Berges, wenn man Richtung Watt fährt.

Die Marienstatue wurde in der Maier´schen Hofkunsthandlung in München gekauft. Die Grotte selber wurde von dem aus Tettnag stammenden Steinhauermeister Bruder aus Tuffstein geschaffen, der bis vom Bäratal (nahe Beuron an der Donau) hergeschafft wurde. Auch wurde ein Gitter gemacht (Schmiedemeister Merath aus Deuchelried), sowie eine Wasserleitung verlegt. Insgesamt wurden für die Anlage, incl. des 2 Jahre später enstandenen Kreuzweges 6000 Goldmark ausgegeben, was zu dieser Zeit eine enorme Summe darstellte.
Als Witwe vermachte Kreszentia Bodenmiller die Anlage der Kirchengemeinde, die sie bis heute im Mai an jedem Montagabend und von Juni bis September an jedem Sonntagabend mit Gebet füllt. Am Grottenfest tritt sogar immer ein "Grottenchörle" zusammen, die mit einer Abordnung der Musikkapelle und vielen Gläubigen den Ort als einer des Gebets mit Leben und Musik erfüllt."
Quelle: https://www.katholische-kirche-wangen.de/st-petrus-deuchelried/unsere-kirche/kirchengeschichtliches/

Ergänzend kann angemerkt werden, dass der Kreuzweg wohl ebenfalls in der Mayer'schen Hofkunstanstalt hergestellt wurde. Die Halbreliefs ähneln denen des Kreuzwegs in Wolfegg (dort aus Zinnguss) und denen des Kreuzwegs von Winterstettenstadt (dort aus gefasstem Zinnguss). Die Mayer'sche Hofkunstanstalt wurde übrigens von Joseph Gabriel Mayer (* 1808 in Gebrazhofen, + 1883 in München) gegründet, dem Sohn eines wohlsituierten Bäckermeisters, genannt der "Dresenbeck" in Gebrazhofen. Dieser entwickelte ein ganz besonderes Verfahren zur Herstellung von religiösen Kunstgegenständen in großer Auflage. So kann man den Deuchelrieder Kreuzweg in Variationen in zahllosen Kirchen oder auch im Freien in vielen Ländern finden.

Anlage Anlage, Lourdes-Grotte Lourdes-Madonna Bernadette Soubirous

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